Schützenverein Gondsroth e. V.

Vereinschronik 1925 - 2004

Erstellt von Alfred Lange und Horst Woike
Fortgeführt und überarbeitet von Hans-Peter Fischer

Aus Niederschriften im Protokollbuch, vorhandenen Schützenscheiben und alten Fotografien geht hervor,
dass der Verein im Jahre 1925 unter dem Namen "KK-Schützenverein Gondsroth" gegründet wurde.

1. Vorsitzender war Johann Kessler, Kassenwart Georg Semmel (genannt "Minister"), Schriftführer Karl Herbert ("Ecke-Karl").

Weitere Mitglieder aus den ersten Jahren: Heinrich Stichel, Konrad Herbert ("Lene-Konrad"), Heinrich Scharf ("Wert" = Wirt),
Jean Herbert ("Konsum-Schah"), Georg und Emil Acker, Karl Hix, Johann und Sohn Ernst Müller ("Schreiner" oder "Schlag-Ernst"),
Adam Reuther, Konrad Herbert (Nebenstraße), Johannes Reußwig (Hauptstr. 56), Willi Scharf (Hauptstraße),
Georg Stichel (Weißbinder), Konrad Becker (damaliger Bürgermeister), Hermann Wagner ("Pommer-Hermann"),
Karl Becker ("Saler" = Seiler), Paul Zimmermann (Uhrmacher, Somborn), Fritz Hannemann (Offenbach),
Peter Häfner und Karl Klostermann.

Anfangs fand das Schießen unter freiem Himmel statt, aber schon bald wurde durch Eigenhilfe in der "Sandkaute" ein
Schießstand und ein Schützenhäuschen in der Größe eines besseren Gartenhauses erstellt.
Hier wurde fleißig trainiert. Besonders Sonntags war reger Betrieb, nachmittags kamen meistens die Ehefrauen hinzu.
Der Vereinswirt Heinrich Scharf hat manchen 5-Liter-Bembel Apfelwein zum Schützenhaus getragen.
Durch diesen guten kameradschaftlichen Zusammenhalt aller Mitglieder wurden gute sportliche Erfolge erreicht.
Der Verein wurde des Öfteren Kreismeister und schon 1932 Landesmeister. Die heranwachsende Jugend wurde durch
Bolzenschießen mit dem Schießsport vertraut gemacht. Dieser sportlich gute Zusammenhalt blieb bis zum Kriegsausbruch 1939
erhalten, danach kam durch die Kriegswirren alles zum Erliegen.

Im Jahre 1952 wurde der Verein durch Anregung des ehemaligen Mitbegründers Heinrich Stichel und durch die Tatkraft
des Schützenbruders Johann Kessler in Anwesenheit diverser Mitglieder aus der Vorkriegszeit unter dem Namen
"Schützenverein Gondsroth" wieder ins Leben gerufen. Den Vorsitz übernahm wiederum Johann Kessler,
der 2. Vorsitzende wurde Heinrich Stichel.

Unter den schwierigsten Bedingungen wurde der Schießbetrieb wieder aufgenommen, da der Schießstand als auch die Hütte
nach dem Krieg durch unbekannte Hände völlig demoliert waren und zudem das Gebiet "Sandkaute" jahrelang
der Gemeinde Gondsroth als Mülldeponie gedient hatte. Noch heute finden wir bei gelegentlichen Ausgrabungsarbeiten
diverse unzerstörbare Gegenstände aus den 40er und 50er Jahren.

Aber der Sport wurde unerschütterlich wieder aufgenommen.

Zunächst wurde durch Ratenzahlung ein Luftgewehr angeschafft und beim Vereinswirt Heinrich und
August Scharf (heute "Goldener Stern") im Saal geschossen. Unvergesslich bleiben auch die kameradschaftlichen
Schießstunden in der warmen Backstube des Schützenbruders Seppel Kunzmann.

Im Herbst 1953 wurde auf Betreiben des 1. Vorsitzenden mit dem Aufbau eines neuen Schützenhauses und Luftgewehrstandes
auf dem alten Schießplatz begonnen. Das den damaligen Verhältnissen entsprechend wiederum kleine Haus erhielt zunächst
eine Sommerlaube, die mit wildem Wein bewachsen war.

Der Verein trat gleich nach Neugründung dem Hessischen Schützenbund bei. So hatten die Männer Gelegenheit,
sich mit anderen Vereinen zu messen. Sie nahmen alljährlich am Luftgewehr-Kreisschießen und später im Winterhalbjahr
am Luftgewehr-Rundenschießen teil.

Nachträglich muss noch in der Vereinsgeschichte festgehalten werden, dass bei Kriegsende 1945 bei den durch
die Besatzungsmacht durchgeführten Hausdurchsuchungen die Schützenkette aus den 20er und 30er Jahren im Haus
des Schützenbruders Heinrich Stichel gefunden und von den Amerikanern konfisziert wurde.
Dies war für den Verein ein bittere Verlust, da die anhängenden Marken die Namen der jährlichen Schützenkönige trugen
und auf dem Schild der Kette die Vereinsgründer eingraviert waren.
Dem Verein ist hiermit ein wichtiges Dokument aus der "Gründerzeit" verloren gegangen.

1954 wurde eine neue Schützenkette in etwa der gleichen Ausführung wie die erste Kette beschafft.
Hierauf sind die Schützenkönige der Jahre 1952 bis 1975 verewigt, und sie wird noch heute alljährlich anlässlich
des Familienabends feierlich vom alten an den neuen Schützenkönig übergeben,
in dessen Wohnung sie für das folgende Jahr verbleibt.

Am 20. April 1962 wurde der Verein in das Vereinregister beim Amtgericht Gelnhausen eingetragen.
Seither lautet die Vereinbezeichnung "Schützenverein Gondsroth e. V.".

Ebenfalls im Jahre 1962 wurde unter dem Vorsitz von Roderich Bodner mit dem Bau unseres neuen Schützenhauses
mit Luftgewehr-Schießstand begonnen. Anschließend wurde das alte Schützenhäuschen abgerissen,
und die erste Etappe des heutigen Schützenhauses mit Gesellschaftsraum
und dem darüber liegenden 10-Meter-Luftgewehrstand war fertig gestellt.

Bereits in dieser Zeit erging der Vorstandbeschluss zur Erweiterung des Schützenhauses um einen Schankraum und
einen weiteren Schießstand. Bei den knappen finanziellen Mitteln gingen die Planungsarbeiten jedoch nur sehr langsam voran.

1965 wurde Alfred Lange, der Schwiegersohn von Johann Kessler, Vorsitzender des Vereins.

Von 1967 bis 1970 führte wiederum Roderich Bodner den Verein.
Er führte den Bau des Luftgewehrstandes zu Ende und begann mit den Arbeiten zum KK-Stand.

Von 1970 bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1972 leitete der Schützenbruder Alfred Weingärtner den Verein.
Danach übernahm Horst Woike das Amt und führte die Geschicke über 10 Jahre bis 1982.

Das Ziel für die nächsten Jahre war, bis zum 50jährigen Jubiläum im Jahr 1975 den Kleinkaliber-Stand fertig zu stellen.
Alle Kräfte wurden in Bewegung gesetzt: Mitglieder liehen Bargeld und leisteten große Mengen an Arbeitsstunden.
Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich, die finanzielle Lage wurde dank der Zuschüsse von der Gemeinde besser.

Das Schießgelände konnte auf 99 Jahre gepachtet werden - eine wesentliche Voraussetzung
für die Erstellung der 50-Meter-KK-Anlage.

Das Ziel wurde erreicht: 1975 konnte der KK-Stand eingeweiht und das 50jährige Vereinsjubiläum mit
Festkommers in der Gastwirtschaft Scharf sowie mit einem großen Schützenfest samt Festzelt und
Vergnügungspark gefeiert werden.
Der erwirtschaftete Gewinn wurde für die Ausstattung des neuen Schießstandes verwendet.
In den folgenden Jahren konnte der Verein jeweils 3 Luftgewehr- und 3 KK-Mannschaften zu den Rundenkämpfen entsenden.
In dieser Zeit wurden Kreis- und Gausiege errungen.

1981 wurde erstmals eine Luftpistolen-Damen-Mannschaft gemeldet.

Im Jahre 1981 wurde der Schankraum renoviert und neues Mobiliar beschafft.

Unter der Leitung des 1982 neu gewählten Vorsitzenden Karlheinz Schießer wurde ein Erweiterungsbau beschlossen,
der Platz für mehr Gäste schaffen und noch 5 weitere Luftgewehrstände beinhalten sollte.

Dieses Bauprojekt kam, wiederum durch Eigenhilfe der Mitglieder, 1986 zu seinem Abschluss,
und seitdem steht der hintere Saal unseren Gästen zur Verfügung.
Bei Bedarf wird das Mobiliar entfernt und es werden 5 Luftgewehrstände installiert.
Die Vorrichtungen hierfür sind im Normalbetrieb hinter einem Vorhang verborgen.

Aber es war noch lange nicht genug des Bauens. Jetzt wurde eine Schießanlage für Sportpistole ins Auge gefasst.
Auch war die Toilettenanlage des mittlerweile doppelt so grossen Hauses bei weitem nicht mehr ausreichend
für die zu erwartende Gästeflut. Und dann konnte doch auch gleich eine Küche dazu gebaut werden!

Es wurde also eine enorme Erweiterung des Schützenhauses geplant in Form von Pistolenstand,
Toilettenanlagen, Küche und Vorratsräume.
Die Finanzierung sowie die eigentliche Bautätigkeit zogen sich über viele Jahre hin,
zumal dies der schwierigste Bauabschnitt von allen wurde.
Durch einen schweren Verkehrsunfall wurde zudem der 1. Vorsitzende für viele Wochen ans Bett gefesselt,
und die Bauarbeiten wurden nur von wenigen Unbeirrbaren aufrecht gehalten, da die treibende Kraft fehlte.
Zwischenzeitlich wurden stärkere Stromleitungen installiert, der Zugangsweg wurde kanalisiert und
mit einer Teerdecke versehen. Außerdem wurden Laternen aufgestellt, so dass sich der düstere Hohlweg
in den freundlichen Schützenweg verwandelte.

Dank des unermüdlichen Einsatzes der Mitglieder konnte der neue Bauabschnitt schließlich zu einem Ende kommen,
und im 70. Jahr des Vereins wurde im Mai 1995 der Pistolenstand durch einen Kommersabend
und ein Pokalschießen der Ortsvereine eingeweiht.
Der Schießbetrieb auf dem Sportpistolenstand konnte aufgenommen werden, so dass sich der Verein nunmehr
in 3 verschiedenen Disziplinen bei den Rundenkämpfen mit der Konkurrenz messen kann.

Das seit 1981 alljährlich stattfindende "Pokalschießen der Ortsvereine" wurde durch das Pistolenschießen
um eine weitere Variante erweitert und erfreut sich seither einer noch größeren Beliebtheit.

In diesem Jahr wurden auch die stets gut besuchten "Schnauzturniere" aus der Taufe gehoben.
Einmal im Frühling und einmal im Herbst, und zwar genau am Freitag vor der Schröther Kerb,
bittet seither der Schützenverein Gondsroth alle interessierten Gäste an den Kartentisch,
und kein Teilnehmer geht jemals leer aus.

1997 gab Karlheinz Schießer nach 15 verdienstvollen Jahren den Vorsitz ab,
und zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Jürgen Feit gewählt. Ihm ist die Neugestaltung der Aussenfassade zu verdanken.

In diese Zeit fällt auch 1998 die Errichtung einer überdachten Pergola vor dem Hauseingang
und die Befestigung des Bodens mit Zementsteinen. Wir haben somit jetzt auch einen "Biergarten".
Die Einweihung desselben wurde vereinsintern mit einem zünftigen Grillfest gefeiert.

Im Jahr 1999 wurde ein Vereinswettbewerb, der "Schröther Gold Cup", angeregt,
um die Schützen der verschiedenen Disziplinen einander näher zu bringen.
Hier schießen nur Vereinsmitglieder, und zwar jeder in aller 3 Disziplinen.
Jeder hat hier die gleichen Chancen, und der Sieger erhält einen Pokal.
Dieser Gold Cup wird seither jedes Jahr durchgeführt und mit einem Grillfest verbunden.

Im März 2000 wurde Hans-Peter Fischer zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt, als 2. Vorsitzender fungiert Gerd Heuzeroth.
Im selben Jahr begingen wir mit einem großen Kommersabend das 75jährige Vereinsjubiläum.

Ende 2001 fand eine Standbegehung seitens der Aufsichtsbehörde des Main-Kinzig-Kreises statt
und hieraus ergaben sich neue größere Aufgaben für den Verein. Der Pistolenstand musste laut Auflage vor allem
eine Be- und Entlüftungsanlage sowie ein Notausgang angebracht werden. Diese Gelegenheit nahm der Vorstand zum Anlass
für eine groß angelegte Renovierung des Pistolen- und auch des Kleinkaliberstandes.
Im Pistolenstand wurde der Boden flächendeckend ausbetoniert, die Kugelfänge erneuert und auf den neuesten technischen Stand
gebracht, der Notausgang angebracht und alle Wände und Decken neu angestrichen.
die Lüftungsanlage ließen wir von einer Fachfirma bauen. Diese Maßnahmen wurden finanziell vom Deutschen Schützenbund,
dem Main-Kinzig-Kreis und der Gemeinde Hasselroth bezuschusst.
Die Arbeitsleistungen wurden jedoch in über 3000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden von unseren Schützenbrüdern erbracht.
Die Sanierungsarbeiten am KK-Stand umfassten u. a. die Erneuerung der Kugelfänge,
Installation einer Immissionsschutzfolie im Boden, Betonarbeiten sowie die Erneuerung des Zuganlage.
Auch diese Arbeiten wurden wiederum hauptsächlich durch die Kameraden vom "Bauausschuss" erledigt.
Durch diese Maßnahmen waren beide Schießstände über das ganze Jahr 2002 geschlossen.
Der Trainingsbetrieb kam vollends zum Erliegen. Die Rundenkämpfe KK mussten alle auswärts geschossen werden,
während sich die Pistolenmannschaft für die ganze Saison von den Rundenkämpfen abmelden musste.

Im Februar 2003 war es geschafft. Der Schießbetrieb an beiden Ständen konnte wieder aufgenommen werden.
Im Juni wurde zur Einweihung zu einem "Tag der offenen Tür" geladen, um unseren Gönnern, Mitbürgern und
befreundeten Vereinen das Ergebnis unserer Bemühungen zu präsentieren.
Hier konnten wir zahlreiche Ehrengäste begrüßen und auch neue Kontakte knüpfen.
Hiermit waren die Bautätigkeiten erst einmal beendet, aber wer weiß, was uns demnächst einfällt. Warten wir's ab!
Die ersten Jugendlichen kamen etwa Ende der 60er Jahre in den Verein, und seitdem wird m Verein eine
rege Jugendarbeit betrieben. Nicht alle Jugendlichen bleiben als Erwachsene dem Verein erhalten,
aber eine ganze Reihe der heutigen Leistungsträger ist aus der Jugendabteilung hervorgegangen.
Dies ist ein wesentlicher Teil der Vereinsarbeit.

Der Verein hat im April 2004 einen Mitgliederbestand von 83 , davon 12 Jugendliche.